Waldorfpädagogik
Das deutsche Bildungssystem stellt bereits im jungen Alter die Weichen für die Zukunft der Kinder, so dass ungleiche Chancen entstehen. Zusätzlich lieferte die Pisa-Studie trotz zahlreicher Schulreformen bislang nur mäßigen Erfolg. In Zeiten der Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem erhalten alternative Schulformen und Privatschulen höheren Zulauf. Zu ihnen gehört die Waldorfschule, deren Lehrkonzepte durch fehlende wissenschaftliche Inhalte immer wieder Kritik erhalten.
Die Grundlage der Waldorfpädagogik
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden zwei neue pädagogische Konzepte, die Montessori- und die Waldorfpädagogik. Gegründet von Rudolf Steiner teilte die Waldorfpädagogik die Entwicklung des Menschen in vier Lebensabschnitte ein. So lernen die Kinder in den ersten sieben Jahren hauptsächlich durch ständige Nachahmung Ihrer Bezugspersonen sowie durch einen festgelegten Tagesablauf. Danach befinden sie sich bis zur Pubertät in einer Lernphase, mit dem Ziel, den spirituellen Geist zu erweitern. Dies geschieht durch kreative und phantasievolle Aufgaben. Gleichzeitig vermitteln ihnen freundliche Autoritätspersonen die Werte. Schließlich entwickelt sich bis zum 21. Lebensjahr das emotionale Innenleben. Diese Grundsätze realisierte Steiner 1919 in der ersten Waldorfschule in Stuttgart.
Künstlerisch-handwerklicher Unterricht
In den ersten Schuljahren orientiert sich der Lehrplan anhand des Entwicklungsstandes der Kinder. Dabei steht die individuelle Freiheit im Mittelpunkt. Gemeinsamer Handwerksunterricht fördert die Kreativität und unterstützt – laut der Lehre – die Entwicklung des freien Willens. Auf diese Weise erhalten die Kinder unter anderem künstlerisch-handwerklichen Unterricht im Singen, Gartenbau und Kunst. Auf diese Weise lernen Sie individuelle T-Shirts und Tops zu gestalten, doch das wissenschaftliche Fachwissen bleibt auf der Strecke.
Wissenschaftlicher Unterricht
Erst ab der neunten Klasse besitzen die Schüler – nach Steiner – ein eigens Urteilsvermögen und beginnen, ihr Leben selber gestalten zu wollen. Aus diesem Grund unterstützen die Lehrkräfte sie, indem sie die gelernten Inhalte bis zur 12. Klasse zunehmend vertiefen, während andere Schulformen systematisch auf ein Studium oder den zukünftigen Beruf vorbereiten. Weitere Informationen zur Waldorfpädagogik liefert der Bund der freien Waldorfschule. Aber insbesondere das Fehlen der staatlichen Ausbildung der Lehrer als auch die geringe Bedeutung wissenschaftlicher Themen werfen regelmäßig einen Schatten auf dieses Lehrkonzept.

